Nächste Veranstaltungen:
Freitag, 10. September, 19.30 Uhr:
Jungschar
Freitag, 10. September, 19.45 Uhr:
Bibelstunde
Sonntag, 12. September, 10.00 Uhr:
Gottesdienst, anschließend Bekenntnisunterweisung
Schnell zum Ziel
Die Autorität der Schrift ist für die christliche Kirche in unserer wie in jeder Zeit eine Schlüsselfrage. Wer sich zum Glauben an Jesus Christus als Herrn und Retter bekennt, ist aufgerufen, die Wirklichkeit seiner Jüngerschaft durch demütigen und treuen Gehorsam gegenüber Gottes geschriebenem Wort zu erweisen. In Glauben oder Leben von der Schrift abzuirren ist Untreue unserem Herrn gegenüber. Die Anerkennung der völligen Wahrheit und Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift ist für ein völliges Erfassen und angemessenes Bekenntnis ihrer Autorität unerläßlich.
Die folgende Erklärung bekennt erneut diese Irrtumslosigkeit der Schrift, indem sie unser Verständnis davon und unsere Warnung vor ihrer Verwerfung deutlich macht. Wir sind davon überzeugt, daß ihre Verwerfung bedeutet, daß man das Zeugnis Jesu Christi und des Heiligen Geistes übergeht und die Unterwerfung unter die Forderungen von Gottes eigenem Wort verweigert, die doch Kennzeichen wahren christlichen Glaubens sind. Wir sehen es als unsere zeitgemäße Pflicht an, dieses Bekenntnis angesichts des gegenwärtigen Abfalls von der Wahrheit der Irrtumslosigkeit unter unseren Mitchristen und der Mißverständnisse dieser Lehre in der Welt als Ganzes abzugeben.
Die Erklärung besteht aus drei Teilen: einer zusammenfassenden Erklärung, den Artikeln des Bekennens und des Verwerfens und aus einer beigefügten Auslegung. Sie wurde im Rahmen einer dreitägigen Beratung in Chicago erarbeitet. Diejenigen, die die zusammenfassende Erklärung und die Artikel unterschrieben haben, möchten ihre eigene Überzeugung von der Irrtumslosigkeit der Schrift bekennen und sich gegenseitig und alle Christen zu wachsender Annahme und wachsendem Verständnis dieser Lehre ermutigen und herausfordern. Wir wissen um die Grenzen eines Dokuments, das in einer kurzen, intensiven Konferenz erarbeitet wurde und beantragen nicht, ihm das Gewicht eines Glaubensbekenntnisses zu verleihen. Dennoch freuen wir uns darüber, daß sich durch unsere gemeinsamen Diskussionen unsere Überzeugungen vertieft haben und wir beten, daß die Erklärung, die wir unterzeichnet haben, zur Verherrlichung unseres Gottes für eine neue Reformation der Kirche in ihrem Glauben, ihrem Leben und ihrer Mission gebraucht werden möge.
Wir legen diese Erklärung nicht in einem streitsüchtigen Geist vor, sondern in einem Geist der Demut und Liebe, den wir in allen zukünftigen Gesprächen, die aus dem, was wir geäußert haben, entstehen, durch Gottes Gnade beibehalten möchten. Wir anerkennen erfreut, daß viele, die die Irrtumslosigkeit der Schrift verwerfen, die Konsequenzen dieser Verwerfung in ihrem übrigen Glauben und Leben nicht entfalten, und wir sind uns bewußt, daß wir, die wir uns zu dieser Lehre bekennen, sie in unserem Leben oft verwerfen, indem wir darin versagen, unsere Gedanken und Taten, unsere Traditionen und Gewohnheiten in wahre Unterordnung unter das göttliche Wort zu bringen.
Wir laden jeden ein, auf diese Erklärung zu reagieren, der im Lichte der Schrift Gründe dafür sieht, die Bekenntnisse dieser Erklärung über die Schrift zu berichtigen, unter deren unfehlbarer Autorität wir stehen, während wir unser Bekenntnis niederlegen. Wir nehmen für das Zeugnis, das wir weitergeben, keine persönliche Unfehlbarkeit in Anspruch und sind für jeden Beistand dankbar, der uns dazu verhilft, dieses Zeugnis über das Wort Gottes zu stärken.
Wir bekennen, daß die Heilige Schrift als das autoritative Wort Gottes anzunehmen ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die Schrift ihre Autorität von der Kirche, der Tradition oder irgendeiner anderen menschlichen Quelle erhielte.
Wir bekennen, daß die Schrift die höchste schriftliche Norm ist, durch die Gott das Gewissen bindet, und daß die Autorität der Kirche derjenigen der Schrift untergeordnet ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß kirchliche Bekenntnisse, Konzilien oder Erklärungen eine höhere oder gleichrangige Autorität gegenüber der Autorität der Bibel hätten.
Wir bekennen, daß das geschriebene Wort in seiner Gesamtheit von Gott gegebene Offenbarung ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die Bibel lediglich ein Zeugnis von der Offenbarung sei oder nur durch die Begegnung mit ihr Offenbarung werde oder daß sie in ihrer Gültigkeit von einer Antwort des Menschen abhängig sei.
Wir bekennen, daß Gott, der die Menschheit in seinem Bild geschaffen hat, die Sprache als Mittel seiner Offenbarung benutzt hat.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die menschliche Sprache durch unsere Kreatürlichkeit so begrenzt sei, daß sie als Träger göttlicher Offenbarung ungeeignet sei. Wir verwerfen ferner die Auffassung, daß die Verdorbenheit der menschlichen Kultur und Sprache durch Sünde Gottes Werk der Inspiration vereitelt habe.
Wir bekennen, daß Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift eine fortschreitende Offenbarung war.
Wir verwerfen die Auffassung, daß eine spätere Offenbarung, die eine frühere Offenbarung erfüllen mag, diese jemals korrigiere oder ihr widerspräche. Wir verwerfen ferner die Auffassung, daß irgendeine normative Offenbarung seit dem Abschluß des neutestamentlichen Kanons gegeben worden sei.
Wir bekennen, daß die Schrift als Ganzes und alle ihre Teile bis zu den Worten des Urtextes von Gott durch göttliche Inspiration gegeben wurden.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die Inspiration der Schrift in ihrer Ganzheit ohne ihre Teile oder in einigen Teilen ohne ihre Ganzheit recht bekannt werden könne.
Wir bekennen, daß die Inspiration jenes Werk war, in dem Gott uns durch seinen Geist durch menschliche Schreiber sein Wort gab. Der Ursprung der Schrift ist Gott selbst. Die Art und Weise der göttlichen Inspiration bleibt zum größten Teil ein Geheimnis für uns.
Wir verwerfen die Auffassung, daß Inspiration auf menschliche Einsicht oder einen höheren Bewußtseinszustand irgendeiner Art reduziert werden könne.
Wir bekennen, daß Gott in seinem Werk der Inspiration die charakteristischen Persönlichkeiten und literarischen Stile der Schreiber, die er ausgewählt und zugerüstet hatte, benutzte.
Wir verwerfen die Auffassung, daß Gott die Persönlichkeit dieser Schreiber ausgeschaltet habe, als er sie dazu veranlaßte, genau die Worte zu gebrauchen, die er ausgewählt hatte.
Wir bekennen, daß die Inspiration zwar keine Allwissenheit verlieh, aber wahre und zuverlässige Aussagen über alle Dinge, über welche die biblischen Autoren auf Gottes Veranlassung hin sprachen und schrieben, garantierte.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die Begrenztheit oder das Gefallensein dieser Schreiber notwendigerweise oder auf andere Weise Verzerrungen oder Fehler in Gottes Wort eingeführt habe.
Wir bekennen, daß die Inspiration streng genommen nur auf den autographischen Text der Schrift zutrifft, der aber durch die Vorsehung Gottes anhand der zur Verfügung stehenden Handschriften mit großer Genauigkeit ermittelt werden kann. Wir bekennen ferner, daß Abschriften und Übersetzungen der Schrift soweit Gottes Wort sind, als sie das Original getreu wiedergeben.
Wir verwerfen die Auffassung, daß irgendein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens von dem Fehlen von Autographen betroffen sei. Wir verwerfen ferner die Ansicht, daß ihr Fehlen die Verteidigung der biblischen Irrtumslosigkeit nichtig oder unerheblich mache.
Wir bekennen, daß die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration vermittelt wurde, so daß sie, da sie weit davon entfernt ist, uns irrezuführen, wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß es möglich sei, daß die Bibel zur gleichen Zeit unfehlbar ist und sich in ihren Aussagen irrt. Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit dürfen unterschieden, nicht aber voneinander getrennt werden.
Wir bekennen, daß die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, Fälschungen oder Täuschungen ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit auf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke und Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien. Wir verwerfen ferner die Ansicht, daß wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürften, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen.
Wir bekennen, daß es angemessen ist, Irrtumslosigkeit als theologischen Begriff für die vollständige Zuverlässigkeit der Schrift zu gebrauchen.
Wir verwerfen die Auffassung, daß es angemessen sei, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind. Wir verwerfen ferner, daß die Irrtumslosigkeit von biblischen Phänomenen wie dem Fehlen moderner technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Orthographie, Beschreibung der Natur nach der Beobachtung, Berichte über Unwahrheiten, dem Gebrauch von Übertreibungen oder gerundeten Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung freier Zitate in Frage gestellt werde.
Wir bekennen die Einheit und innere Übereinstimmung der Schrift.
Wir verwerfen die Auffassung, daß angebliche Fehler und Widersprüche, die bis jetzt noch nicht gelöst wurden, den Wahrheitsanspruch der Bibel hinfällig machen würden.
Wir bekennen, daß die Lehre von der Irrtumslosigkeit in der Lehre der Bibel über die Inspiration gegründet ist.
Wir verwerfen die Auffassung, daß man die Lehre Jesu über die Schrift mit dem Hinweis auf eine Anpassung [an die Hörer] oder auf irgendeine natürliche Begrenztheit seines Menschseins abtun könne.
Wir bekennen, daß die Lehre von der Irrtumslosigkeit ein integraler Bestandteil des Glaubens der Kirche in ihrer Geschichte war.
Wir verwerfen die Auffassung, daß die Irrtumslosigkeit eine Lehre sei, die der scholastische Protestantismus erfand oder eine reaktionäre Position sei, die als Reaktion auf die negative Bibelkritik postuliert wurde.
Wir bekennen, daß der Heilige Geist Zeugnis für die Schrift ablegt und den Gläubigen die Zuverlässigkeit des geschriebenen Wortes Gottes versichert.
Wir verwerfen die Auffassung, daß dieses Zeugnis des Heiligen Geistes von der Schrift isoliert sei oder gegen die Schrift wirke.
Wir bekennen, daß der Text der Schrift durch grammatisch-historische Exegese auszulegen ist, die die literarischen Formen und Wendungen berücksichtigt, und daß die Schrift die Schrift auslegt.
Wir verwerfen die Berechtigung jeder Behandlung des Textes und jeder Suche nach hinter dem Text liegenden Quellen, die dazu führen, daß seine Lehren relativiert, für ungeschichtlich gehalten oder verworfen oder seine Angaben zur Autorschaft abgelehnt werden.
Wir bekennen, daß ein Bekenntnis der völligen Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Schrift für ein gesundes Verständnis des ganzen christlichen Glaubens lebenswichtig ist. Wir bekennen ferner, daß solch ein Bekenntnis dazu führen sollte, daß wir dem Bild Christi immer ähnlicher werden.
Wir verwerfen die Auffassung, daß ein solches Bekenntnis zum Heil notwendig sei. Wir verwerfen jedoch darüber hinaus auch die Auffassung, daß die Irrtumslosigkeit ohne schwerwiegende Konsequenzen, sowohl für den einzelnen als auch für die Kirche, verworfen werden könne.
Unser Verständnis der Lehre von der Irrtumslosigkeit muß in den größeren Zusammenhang der umfassenderen Lehre der Schrift über sich selbst gestellt werden. Dieser Kommentar legt Rechenschaft von den Grundlagen der Lehren ab, aus denen die zusammenfassende Erklärung und die Artikel gewonnen wurden.
Der dreieinige Gott, der alle Dinge durch sein Schöpferwort gebildet hat und alle Dinge nach seinem Ratschluß lenkt, schuf die Menschheit zu seinem eigenen Bilde für ein Leben in Gemeinschaft mit ihm, nach dem Vorbild der ewigen Gemeinschaft der von Liebe bestimmten Verbindung innerhalb der Gottheit selbst. Als Träger der Ebenbildlichkeit Gottes sollte der Mensch Gottes Wort, das an ihn gerichtet war, hören und in der Freude anbetenden Gehorsams darauf antworten. Über Gottes Selbstmitteilung in der geschaffenen Ordnung sowie in der Abfolge der Ereignisse haben Menschen von Adam an verbale Botschaften von Gott empfangen, und zwar entweder direkt, wie in der Schrift ausgesagt, oder indirekt in Form eines Teiles oder der Ganzheit der Schrift.
Als Adam sündigte, überließ der Schöpfer die Menschheit nicht dem endgültigen Gericht, sondern verhieß das Heil und begann, sich selbst in einer Folge von historischen Ereignissen als Erlöser zu offenbaren, deren Zentrum Abrahams Familie war und die ihren Höhepunkt in Leben, Tod, Auferstehung, gegenwärtigem himmlischem Dienst und verheißener Rückkehr Jesu Christi fanden. Innerhalb dieses Rahmens hat Gott von Zeit zu Zeit besondere Worte des Gerichts und der Gnade, der Verheißung und des Gebots zu sündigen Menschen gesprochen, um sie in eine Bundesbeziehung der gegenseitigen Verpflichtung zwischen ihm und ihnen hineinzunehmen, in der er sie mit Gaben der Gnade segnet und sie ihn als Antwort darauf preisen. Mose, den Gott als Mittler gebrauchte um sein Wort zur Zeit des Auszugs seinem Volk zu überbringen, steht am Beginn einer langen Reihe von Propheten, in deren Mund und Schrift Gott sein Wort legte, um es an Israel weiterzugeben. Gottes Absicht mit dieser Abfolge von Botschaften war es, seinen Bund zu erhalten, indem er sein Volk veranlaßte, seinen Namen, das heißt sein Wesen, und seinen Willen in seinen Geboten und seinen Zielen für die Gegenwart und die Zukunft kennen zu lernen. Diese Linie der prophetischen Sprecher Gottes fand ihren Abschluß in Jesus Christus, dem fleischgewordenen Wort Gottes, der selbst ein Prophet, mehr als ein Prophet, aber nicht weniger als ein Prophet war, und in den Aposteln und Propheten der ersten christlichen Generation. Als Gottes endgültige und auf den Höhepunkt zulaufende Botschaft, sein Wort an die Welt bezüglich Jesus Christus, gesprochen und von den Männern des apostolischen Kreises erläutert worden war, endete die Abfolge der Offenbarungsbotschaften. Von da an sollte die Kirche durch das von Gott bereits für alle Zeit Gesagte leben und Gott erkennen.
Am Sinai schrieb Gott die Bedingungen seines Bundes als sein beständiges Zeugnis auf Steintafeln, damit es stets verfügbar sei. Auch während der Zeit der prophetischen und apostolischen Offenbarung veranlaßte er Menschen, die Botschaft, die er ihnen und durch sie gab, zusammen mit feierlichen Berichten über sein Handeln mit seinem Volk, ethischen Betrachtungen über das Leben in seinem Bund und Formen des Lobpreises und der Gebete für die Bundesgnade, aufzuschreiben. Die theologische Wirklichkeit der Inspiration bei der Entstehung der biblischen Dokumente entspricht der Inspiration der gesprochenen Prophetien: Obwohl die Persönlichkeit der menschlichen Schreiber in dem zum Ausdruck kommt, was sie schrieben, wurden die Worte doch von Gott festgelegt. Deswegen gilt, daß das, was die Schrift sagt, Gott sagt. Ihre Autorität ist seine Autorität, denn er ist ihr letztendlicher Autor, der sie durch den Geist und die Worte von auserwählten und zugerüsteten Menschen übermittelte, die in Freiheit und Treue „von Gott redeten, getrieben vom Heiligen Geist“ (1.Petr. 1,21). Die Heilige Schrift muß kraft ihres göttlichen Ursprungs als Gottes Wort anerkannt werden. Autorität: Christus und die Bibel
Jesus Christus, der Sohn Gottes, der das fleischgewordene Wort, unser Prophet, Priester und König ist, ist der höchste Mittler der Botschaften und der Gnadengaben Gottes an den Menschen. Die von ihm gegebene Offenbarung bestand nicht nur aus Worten, da er ebenso in seiner Gegenwart und seinen Taten den Vater offenbarte. Dennoch waren seine Worte von entscheidender Bedeutung, da er Gott war, im Namen des Vaters sprach und weil seine Worte alle Menschen am letzten Tag richten werden.
Als der geweissagte Messias ist Jesus Christus das zentrale Thema der Schrift. Das Alte Testament sah ihm entgegen, das Neue Testament schaut auf sein erstes Kommen zurück und seinem zweiten Kommen entgegen. Die kanonische Schrift ist das göttlich inspirierte und deswegen normative Zeugnis von Christus. Aus diesem Grund kann keine Hermeneutik, in der der historische Christus nicht der Brennpunkt ist, akzeptiert werden. Die Heilige Schrift muß als das behandelt werden, was sie wesentlich ist, nämlich das Zeugnis des Vaters von seinem fleischgewordenen Sohn.
Es ist zu erkennen, daß der alttestamentliche Kanon zur Zeit Jesu feststand. Der neutestamentliche Kanon ist heute gleichermaßen abgeschlossen, und zwar deswegen, weil heute kein neues apostolisches Zeugnis vom historischen Jesus mehr abgelegt werden kann. Bis zur Wiederkunft Christi wird keine neue Offenbarung, (die vom geistgewirkten Verstehen der bereits vorhandenen Offenbarung zu unterscheiden ist), mehr gegeben werden. Der Kanon wurde prinzipiell durch die göttliche Inspiration geschaffen. Die Aufgabe der Kirche war es nicht, einen eigenen Kanon aufzustellen, sondern den Kanon, den Gott geschaffen hatte, festzustellen.
Der Begriff Kanon bezeichnet eine Richtschnur oder Norm und weist auf Autorität hin, also auf das Recht zu herrschen und zu gebieten. Im Christentum gehört die Autorität Gott in seiner Offenbarung, was einerseits Jesus Christus, das lebendige Wort, andererseits die Heilige Schrift, das geschriebene Wort, meint. Die Autorität Christi und die der Schrift sind jedoch eins. Als unser Prophet hat Christus bezeugt, daß die Schrift nicht zerrissen werden kann. Als unser Priester und König widmete er sein irdisches Leben der Erfüllung des Gesetzes und der Propheten und starb im Gehorsam entsprechend der Worte der messianischen Weissagungen. So wie er die Heilige Schrift als Beglaubigung für sich und seine Autorität interpretierte, beglaubigte er durch seine eigene Unterordnung unter die Schrift ihre Autorität. So wie er sich unter die in seiner Bibel (unserem Alten Testament) gegebenen Weisungen seines Vaters beugte, erwartete er dies auch von seinen Jüngern, nicht jedoch isoliert vom apostolischen Zeugnis über ihn selbst, sondern im Einklang mit diesem, dessen Inspiration er durch seine Gabe des Heiligen Geistes bewirkte. Christen erweisen sich somit dadurch als treue Diener ihres Herrn, daß sie sich unter die göttlichen Anweisungen in den prophetischen und apostolischen Schriften, die zusammengenommen unsere Bibel ausmachen, beugen.
Indem Christus und die Schrift sich gegenseitig ihre Autorität beglaubigen, verschmelzen sie zu einer einzigen Quelle der Autorität. Von diesem Standpunkt aus sind der biblisch interpretierte Christus und die Bibel, welche Christus in den Mittelpunkt stellt und ihn verkündigt, eins. So wie wir aus der Tatsache der Inspiration schließen, daß das, was die Schrift sagt, Gott sagt, können wir aufgrund der offenbarten Beziehungen ebenso bekennen, daß das, was die Schrift sagt, Christus sagt.
Es ist angemessen, die Heilige Schrift als das inspirierte Wort Gottes, das autoritativ von Jesus Christus zeugt, als unfehlbar und irrtumslos zu bezeichnen. Diese negativen Ausdrücke sind von besonderem Wert, weil sie ausdrücklich positive Wahrheiten sichern.
Der Begriff unfehlbar bezieht sich auf die Qualität, daß etwas weder in die Irre führt noch irregeleitet ist, und schützt so kategorisch die Wahrheit, daß die Heilige Schrift ein feststehender, sicherer und zuverlässiger Grundsatz und eine Richtschnur in allen Dingen ist.
In ähnlicher Weise bezeichnet der Begriff irrtumslos die Qualität, daß etwas frei von allen Unwahrheiten oder Fehlern ist, und schützt so die Wahrheit, daß die Heilige Schrift in allen ihren Aussagen vollständig wahr und zuverlässig ist.
Wir bekräftigen, daß die kanonische Schrift immer auf der Grundlage ihrer Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit ausgelegt werden sollte. Wenn wir jedoch feststellen wollen, was der von Gott unterwiesene Schreiber in jedem Abschnitt aussagt, müssen wir dem Anspruch der Schrift und ihrem Charakter als menschlichem Erzeugnis die größtmögliche Aufmerksamkeit widmen. Gott gebrauchte in der Inspiration die Kultur und die Gebräuche der Umwelt des Schreibers, eine Umwelt, über die Gott in seiner souveränen Vorsehung Herr ist. Etwas anderes anzunehmen heißt falsch auszulegen.
So muß Geschichte als Geschichte behandelt werden, Dichtung als Dichtung, Hyperbel1 und Metapher2 als Hyperbel und Metapher, Verallgemeinerungen und Annäherungen3 als das, was sie sind etc. Unterschiede zwischen den literarischen Konventionen in biblischen Zeiten und in unserer Zeit müssen ebenfalls beachtet werden: Wenn zum Beispiel nichtchronologische Erzählungen und ungenaue Zitierweise damals üblich und akzeptabel waren und den Erwartungen in jenen Tagen nicht widersprachen, dürfen wir diese Dinge nicht als Fehler ansehen, wenn wir sie bei den biblischen Schreibern finden. Wenn eine bestimmte, vollständige Präzision nicht erwartet oder angestrebt wurde, ist es kein Irrtum, wenn sie nicht erreicht worden ist. Die Schrift ist irrtumslos, aber nicht im Sinne einer absoluten Präzision nach modernem Standard, sondern in dem Sinne, daß sie ihren eigenen Ansprüchen entspricht und jenes Maß an konzentrierter Wahrheit erreicht, das seine Autoren beabsichtigten.
Die Zuverlässigkeit der Schrift wird nicht dadurch unwirksam gemacht, daß sie Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Rechtschreibung, beobachtende Beschreibungen der Natur, Berichte von falschen Aussagen (zum Beispiel der Lügen Satans) oder scheinbare Widersprüche zwischen zwei Abschnitten enthält. Man darf nicht einen Gegensatz konstruieren zwischen dem äußeren Erscheinungsbild der Schrift und der Lehre über die Schrift. Augenscheinliche Unstimmigkeiten sollten nicht ignoriert werden. Lösungen dafür, wenn sie auf überzeugende Art gefunden werden können, werden unseren Glauben stärken. Wo im Moment keine überzeugende Lösung zur Hand ist, sollen wir Gott in besonderer Weise ehren, indem wir seiner Zusicherung vertrauen, daß sein Wort trotz dieser Erscheinungen wahr ist, und indem wir das Vertrauen festhalten, daß diese Unstimmigkeiten sich eines Tages als Täuschungen erweisen werden.
Insofern die ganze Schrift nur einem einzigen göttlichen Geist entspringt, muß sich die Auslegung innerhalb der Grenzen der Analogie der Schrift halten und Hypothesen vermeiden, die einen biblischen Abschnitt mit Hilfe eines anderen korrigieren, ganz gleich, ob dies im Namen der fortschreitenden Offenbarung oder mit Hinweis auf die unvollkommene Erleuchtung des Denkens der inspirierten Schreiber geschieht.
Obwohl die Heilige Schrift nirgends in dem Sinne kulturgebunden ist, daß ihre Lehren keine universale Gültigkeit besitzen, ist sie doch manchmal von den Bräuchen und den traditionellen Anschauungen einer bestimmten Zeit geprägt, so daß heute die Anwendung ihrer Prinzipien eine andere Handlungsweise erfordert.
Seit der Renaissance und insbesondere seit der Aufklärung wurden Weltanschauungen entwickelt, die Skeptizismus gegenüber grundlegenden christlichen Wahrheiten beinhalten; so etwa der Agnostizismus, der die Erkennbarkeit Gottes leugnet, der Rationalismus, der die Unbegreiflichkeit Gottes leugnet, der Idealismus, der die Transzendenz Gottes leugnet, und der Existentialismus, der jede Rationalität in Gottes Beziehung zu uns leugnet. Wenn diese un- und antibiblischen Prinzipien auf der Ebene der Denkvoraussetzungen in die Theologien von Menschen eindringen, was sie heute häufig tun, wird eine zuverlässige Auslegung der Heiligen Schrift unmöglich.
Da Gott nirgends eine unfehlbare Überlieferung der Schrift verheißen hat, betonen wir, daß nur der autographische Text der Originaldokumente inspiriert ist. Von daher betonen wir die Notwendigkeit der Textkritik im Sinn eines Mittels zum Aufdecken von Schreibfehlern, die sich im Laufe der Textüberlieferung in den Text eingeschlichen haben. Das Urteil dieser Wissenschaft lautet jedoch folgendermaßen: Es stellte sich heraus, daß der hebräische und griechische Text erstaunlich gut erhalten ist, so daß wir mit gutem Recht mit dem Westminster-Bekenntnis die einzigartige Vorsehung Gottes in dieser Frage bekräftigen können und erklären, daß die Autorität der Schrift in keiner Weise durch die Tatsache, daß die Abschriften nicht völlig ohne Fehler sind, in Frage gestellt wird.
In ähnlicher Weise ist keine Übersetzung vollkommen und kann es nicht sein; alle Übersetzungen sind ein zusätzlicher Schritt fort von den Autographen. Die Sprachwissenschaft urteilt jedoch, daß zumindest englisch sprechende Christen4 in diesen Tagen mit einer großen Zahl von ausgezeichneten Übersetzungen außerordentlich gut versorgt sind und ohne Zögern davon auszugehen können, daß das wahre Wort Gottes für sie erreichbar ist. Angesichts der häufigen Wiederholung der wesentlichen Themen in der Schrift, mit denen sie sich beschäftigt, und auch aufgrund des ständigen Zeugnisses des Heiligen Geistes für und durch das Wort wird keine ernsthafte Übersetzung der Heiligen Schrift ihre Bedeutung so zerstören, daß sie unfähig wäre, ihre Leser „weise zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus zu machen“ (2.Tim. 3,15).
1) d. h. Übertreibung (zum Zweck der Verdeutlichung)
2) d. h. bildlicher und übertragener Ausdruck
3) d. h. etwa durch Auf- und Abrunden von Zahlen
4) Entsprechendes gilt natürlich für die deutsche Sprache.